28.06.2021
Ludwig Thoma gehört zu Dachau

Leserbrief zum Artikel „Keiner macht alles richtig“ vom 24.06.2021 in den Dachauer Nachrichten

Die Diskussion um Ludwig Thoma ist nicht neu, sondern wird seit den 90er Jahren immer wieder geführt. Einigkeit besteht darin, dass seine späten, in den letzten 14 Monaten seines Lebens unter Pseudonym veröffentlichten, Hetzschriften verachtenswert sind. Zu dieser Zeit hatte der bayerische Literat sich verbittert in sein Privathaus zurückgezogen und es ist daher durchaus fraglich, welche Absichten dahinterstecken. Sein schwieriges Verhältnis zu Maidi Liebermann spielte vermutlich ebenso eine Rolle wie seine zunehmende Einsamkeit.
Allerdings sollte in der Diskussion immer Thomas literarisches Gesamtwerk betrachtet werden: Mit seinen Lausbubengeschichten hat er Generationen gut unterhalten, der Münchner im Himmel ist heute beliebt wie eh und je und speziell seine Bauerngeschichten sind eng mit Dachau verbunden. Über seine Zeit als Rechtsanwalt in Dachau sind außerdem keinerlei Antisemitische Äußerungen dokumentiert.
Ludwig Thoma ist ein Stück Dachauer Stadtgeschichte. Wie jeder normale Mensch hatte er gute und schlechte Seiten. Die guten haben aber definitiv überwogen.
Eine Umbenennung von Straße, Haus und Wiese ist daher absolut überzogen. Sollte dies eines Tages tatsächlich im Dachauer Stadtrat zur Abstimmung gestellt werden, stimme ich selbstverständlich für die Beibehaltung des Straßennamens, denn Thoma gehört zu Dachau.

Markus Erhorn
Stadtrat
Freie Wähler Dachau

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